In Island spielt die Musik

Reykjavik - Reykjanes

Die Insel im Nordatlantik ist alles andere als abgeschieden von der Welt und von kulturellen Einflüssen aus anderen Ländern. Das spiegelt sich auch und vor allem im Bereich der Musikkultur wieder, in der es neben den über die Grenzen Islands bekannten musikalischen Künstlern wie Björk, Sigur Rós und Of Monsters And Men eine sehr große, diverse und bunte Musik(er)szene gibt.  


Góðan daginn liebe Nordland-Freunde, 

habt ihr auch schonmal in der Einöde Islands gestanden, dem Heulen des Windes zugehört, das Rauschen des Wassers vernommen und dazu diese bestimmte Energie gespürt, die die isländische Natur ausmacht? Habt ihr euch gefragt, wie sich diese Energie auf die Einwohner Islands auswirkt? Musik hat auch in Island schon immer eine Rolle gespielt. So gab es bereits zur Wikingerzeit große Tanzfeste. Im 14. Jahrhundert hat sich dann eine eigene Form des Volksliedes entwickelt; rima ist eine Art Rezitationsgesang, der auch heute noch bei großen Familienfesten gesungen wird. Des Weiteren gibt es über das ganze Land verteilt die verschiedensten Chöre, die auch international auf Konzertreisen gehen. Wegen der totalen Abgeschiedenheit durch das dänische Handelsmonopol gelangten erst im 19. Jahrhundert europäische Musikeinflüsse und auch neue Musikinstrumente nach Island. Davor gab es nur zwei eigene isländische Musikinstrumente; das langspil und die fiðla - einfache Saiteninstrumente, die mit einem Bogen gespielt werden. Mit den neuen Einflüssen holte Island sehr schnell auf, sodass wir heute eine sehr abwechslungsreiche Musikkultur in Island vorfinden, die sich durch alle Genres zieht. 

Island und der Eurovision Song Contest

Seit 1986 war es Island möglich am Eurovision Song Contest teilzunehmen. Vorher war die Datenfernübertragung schlichtweg technisch nicht möglich. Das erste Mal die Top-Ten knackten Stjörnin 1992, die höchste Platzierung schafften Selma mit "All Out Of Luck" 1999 und Yohanna mit "Is It True" 2009 auf dem jeweils 2. Platz. Das Großereignis an sich erfreut sich auch in Island großer Beliebtheit, was sich durch zahlreiche Eurovision-Parties wiederspiegelt. 

Internationaler Durchbruch: Björk, Sigur Rós und Of Monsters And Men

Vor allem der Sängerin Björk ist es zu verdanken, dass Island auch musikalisch in den internationalen Fokus geraten ist. Ihre nationale Karriere startete schon früh, als sie mit nur zwölf Jahren 1977 ihr erstes Album mit isländischen Kinderliedern und populären Coverversionen aufnahm. Die erste internationale Beachtung fand sie dann mit ihrer Punkband The Sugarcubes, die in England und den USA Kultstatus erlangten. Nach der Auflösung der Band 1992, konzentrierte sich Björk auf ihre Solo-Karriere, die sie bis heute, auch dank vieler Kollaborationen mit diversen internationalen Künstlern und ihrem bisher einmaligen Schauspielauftritt als Hauptrolle im Lars von Trier-Film "Dancer In The Dark", zu einer der bekanntesten Musikerinnen Islands wachsen ließ.

Am Tag der Bandgründung 1994 wurde die Schwester des Sigur Rós-Sängers Jonsi geboren, die der Band den Namen gab. Die sphärischen, elektronischen, orchestralen und zum Teil brachialen Klänge ihres ersten international beachteten Albums "Ágætis byrjun" (dt. ein guter Anfang) brachten der Band genau diesen in der internationalen Musiklandschaft. Seitdem sind sie überall auf der Welt auf Tour, spielten anfangs als Support von Radiohead und ihre sagenhaften, auch visuell wunderschönen Auftritte erfreuen sich großer Beliebtheit. Das Rauhe und Düstere der Natur, das Touristen auf unseren Rundreisen durch Island so fasziniert, wird durch die Songs von Sigur Rós wiedergespiegelt und lässt sich zwischen experimentellem Rock, orchestralem Pop und Post-Rock verorten. 

Die international bekannten Of Monsters And Men sind die Pop-Sternchen unter den isländischen Bands, die durch den Gewinn beim isländischen Musikwettbewerb Músíktilraunir auch in ihrem eigenen Land berühmt und beliebt wurden. Bereits kurz nach der Veröffentlichung ihrer ersten Single "Little Talks" erhielten sie auch internationale Aufmerksamkeit. Dieser Song befand sich mehrere Wochen in den Top 10 der europäischen Charts und ihr Debut-Album "My Head Is An Animal" ging im Veröffentlichungsjahr 2011 durch die Decke. Seitdem tourten auch sie durch die ganze Welt, spielten auf dem bekanntesten Festival Amerikas, dem Couchella, und teilten sich auf den größten europäischen Festivals Glastonbury in England und Optimus Alive! in Portugal die Bühne mit anderen internationalen Bands.

Diversität der isländischen Musiklandschaft

Schon der Blick auf Björk, Sigur Rós und Of Monsters And Men zeigt, wie vielfältig die Musikszene in diesem kleinen Land im Nordatlantik ist. Dieser ist nämlich genretechnisch keinerlei Grenzen gesetzt. Das reicht von zahlreichen Folk-Künstlern wie unter anderem Mugison, Ragnar Ólafsson und den in Deutschland sehr beliebten Árstiðir und Svavar Knutur und geht über zu Pop von Retro Stefson, Valdimar, Helgi Jonsson, Ásgeir Trausti und Ólafur Arnalds. Auch lautere Töne durch z.B. dem experimentellen zum Teil metalllastigen Alternative-Rock von Agent Fresco aber auch Oyama, Sólstafir, HAM, CeaStone und For A Minor Reflection finden sich in der isländischen Musiklandschaft. Aktuell in Island selbst sehr beliebt ist HipHop, der durch Künstler wie Emmsjé Gauti, Lord Pusswhip, Úlfur Úlfur, Gísli Pálmi und Sturla Atlas vertreten wird. Reykjavíkurdætur, eine 15-köpfige Girl-Band nimmt auf dem Gebiet eine besondere Rolle ein, da sie sich mit feministischen Themen beschäftigen und sich so dem sonst so männerlastigen Genre annehmen. Ebenfalls sehr beliebt sind Elektro-Künstler wie GusGus, FM Belfast, Kiasmos und Samaris und selbst Reggae ist kein Ausschlusskriterium für Island. Und international kurz vor dem Durchbruch (oder mitten drin) befinden sich Bands und Künstler wie Ásgeir Trausti, Június Meyvant und Kaleo

Festivalkultur

So vielfältig wie die Genres in der isländischen Musikszene sind, so umfangreich ist auch die Festivalkultur. Die international bekanntesten Festivals sind das Sonar Reykjavík anfang jeden Jahres, das Secret Solstice zur Sommersonnenwende und das Iceland Airwaves Musikfestival. Letzteres findet immer am ersten Wochenende im November statt und zieht Künstler und Fans aus aller Welt in die Hauptstadt Reykjavík. Doch nicht nur finden Konzerte auf den offiziellen Festivalbühnen statt, es gibt außerdem ein sehr großes Off-Venue-Programm (für das man kein Festival-Ticket braucht), wo die meisten Künstler kürzere Auftritte in Bars, Restaurants oder in Hostels spielen. Das Iceland Airwaves gilt nicht nur als Fan-Festival, jährlich kommen außerdem allein über 1000 Vertreter aus der Musikindustrie und von der international bekannten Presse, sodass man nach dem Festival nicht nur allerhand (lobender) Artikel im Rolling Stone-, Wire- oder The Guardian-Magazin, sondern auch diverse isländische Bands im Folgejahr in Europa auf diversen Konzerten und Festivals findet.

Neben diesen großen Festivals gibt es sehr viele kleine, über das Jahr verteilte Festivals, die sich im Land großer Beliebtheit erfreuen. So pilgern nicht nur Metallfans im Sommer zum Metall-Festival Eistnaflug in die Ostfjorde. Besonders populär ist das Aldrei fór ég suður (dt. Ich war niemals im Süden) zu Ostern in Ísafjorður, welches vom Künstler Mugison und seinem Vater ins Leben gerufen wurde. Des Weiteren gibt es kleinere DIY-Festivals wie das Punk-Festival Norðan Paunk oder das in Australien ins Leben gerufene Melodica Festival.

Weiterführende Tipps

Vor allem Reykjavík und Akureyri sind konzerttechnisch die Wirkungsstädte, aber es finden auch in lokalen Cafés oder Bars im ganzen Land kleinere Konzerte statt. Falls ihr euch für Musik interessiert und während eures Aufenthalts eine isländische Band live erleben wollt, könnt ihr euch auf der Homepage des Kulturmagazines Reykjavik Grapevine über Konzerte informieren. Dieses Magazin liegt auch kostenlos überall in Island aus. Achtet außerdem auf das Programm der örtlichen Veranstaltungsorte wie Hurra, Kex Hostel (jeden Dienstag Jazz), Loft Hostel, Gaukurinn und Mengi in Reykjavik, Græni Hatturinn und Backpackers in Akureyri und der Hjlómahöll in Keflavik. Ebenfalls in Keflavik befindet sich das im April 2014 eröffnete Isländische Rockmuseum Rokksafn, in dem die Musikgeschichte Islands auch intermedial dargestellt wird und auf jeden Fall auf eurer Must-See-Liste stehen sollte. Wenn ihr einem ganz besonderen Konzerterlebnis in Island beiwohnen wollt, informiert euch auf der Seite von Sofar Sounds Reykjavik, ob in eurem Reisezeitraum eines ihrer schönen Wohnzimmerkonzerte stattfindet. Weitere Infos über isländische Bands findet ihr auf der englischsprachigen Seite vom Iceland Music Export und auf den deutschen Seiten von Tónlist und Nordische Musik. Nicht zu vernachlässigen sind natürlich auch die Vielzahl an Plattenläden in Reykjavík, die für jeden Musikgeschmack etwas zu bieten haben und ab und an sogar Konzerte veranstalten, beispielsweise in den gut sortierten und populären Läden Lucky Records und 12Tónar... reinschauen lohnt sich!

Ihr habt Fragen zum Thema oder möchtet weitere musikalische Anregungen kundtun? Dann hinterlasst uns einfach einen Kommentar. Wir freuen uns von euch zu hören.

Vertu blessaður liebe Nordland-Freunde, Euer contrastravel-Team

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