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Into the Glacier - Gletscherwanderung mal anders

Gletscherhöhle Langjökull - West-Island

Zu den beeindruckensten Landschaften in Island zählen die großen Gletscher und ihre eisigen Gletscherzungen. Wer sich schon einmal auf einer Wanderung auf einem solchen Giganten befunden hat, der weiß wovon hier die Rede ist. Jedes Jahr bilden sich auf natürliche Weise Eishöhlen, die besichtigt werden können. Seit 2015 hat man auf dem zweitgrößten Gletscher Islands die Möglichkeit, eine durch Menschenhand entstandene Eishöhle zu besuchen und sich über diese wunderliche Welt und unseren Einfluss auf diese zu informieren. Heute berichtet Maria, die mehrere Jahre auf der Insel gelebt hat, von einem Ausflug in diese besondere Gletscherwelt. 

Góðan daginn liebe Nordland-Freunde, 

Während meiner Zeit in Island hatte ich das Glück mehrere Touren auf der Insel ausprobieren zu können. Vermutlich wäre ich selbst nicht auf die Idee gekommen, diese besondere Gletschertour von Into The Glacier mitzumachen. Heute weiß ich, ich hätte etwas verpasst!

Am frühen Morgen an einem Tag im späten Oktober, die Tour war bereits einmal wegen des schlechten Wetters verschoben worden, machten wir uns auf den Weg zum zweitgrößten Gletscher Islands, dem Langjökull. Unterwegs typisches Oktober-Wetter: graue Wolken und Regen der an den Scheiben des Reisebusses entlanglief. Die Anfahrt zum Basecamp des Gletschers dauerte knapp zwei Stunden, denn wir mussten erst einmal von Reykjavík, durch den Tunnel unter dem Hvalfjörður bis ins Tal vom Borgarfjörður und an Húsafell vorbei fahren. Die Wolken hingen tief und so blieb uns leider viel der schönen Landschaft verwehrt. Erst unterhalb des Basecamps, als die Straße zu Schotter wurde, blitzten einige Sonnenstrahlen durch die Wolken, sodass wir einen kurzen Blick auf den massiven Gletscher erhaschen konnten.

Am Klaki Basecamp angekommen, klaki heißt im isländischen Eis oder Eiswürfel, war Zeit für eine Erfrischung, ein Besuch des stillen Örtchens und Zeit für Bewunderung der achträdrigen Gletscherfahrzeuge, die wir besteigen würden. Bis vor ein paar Jahren gehörten diese Monster-Fahrzeuge der NATO und transportierten Sprengköpfe. Die Veranstalter der Gletschertour ersteigerten ein paar dieser Trucks und baute sie so um, dass 35 Leute darin Platz haben. In dieses stiegen wir, manche mit Hilfe, weil die Stufen so hoch sind, und wurden erst auf felsigem Untergrund dann durch matschige Schneemassen auf den Gletscher geschaukelt. Das Wetter schlug einmal mehr um, sodass wir uns im völligen White-Out befanden. Die Fahrer fahren hier mit GPS, damit sie in solch einer Situation den Weg nicht verfehlen. Oben angekommen warteten wir noch ein paar Minuten im Schneesturm, der uns die Kälte durch die Wollpulloverlöcher jagte. Im Zugang zur Höhle fühlte sich das angenehmer und fast warm an, auch wenn es dort immer um die 0 Grad kalt sind. Wir bekamen Schuhspikes, die dafür sorgten, dass es auf dem rutschigen Untergrund nicht ganz so schwierig ist zu laufen. 

Schon nach den ersten Metern war ich fasziniert von der Struktur des Eises. Kalt, weich, irgendwie lebendig, massiv und doch irgendwie fragil. In den Wänden waren Lichtschläuche verlegt, denn sonst wäre es dort unten, ca. 25 Meter unter der Gletscheroberfläche stockdunkel. Wir erfuhren, dass sich das Eis auch in dieser Höhle immer wieder verändert, dass sie den Eingang immer wieder freischaufeln müssen, da jedes Jahr meterweise Schnee auf den Gletscher fällt. Diese Last drückt die alten Schnee- und Eiskristalle zusammen und die Luftbläschen raus und wird so irgendwann zu Gletschereis. Dieser Prozess dauert mehrere Jahre bis Jahrzehnte. Die Schicht in der wir uns bei dieser Höhle bewegen ist ca. 30 – 35 Jahre alt. Dass der Gletscher ständig in Bewegung ist, sieht man an Rissen und kleinen Spalten. An einigen Stellen regnete es beinahe und die bange Frage, ob der Tunnel das alles eigentlich aushalte, hallte durch den Gang. 

In den Tunneln wurden wir von Guides begleitet, die uns allerhand über Gletscher erklärten, auch warum diese schneller als normal schrumpfen. Ein Highlight ist die massive Gletscherspalte, die die Schöpfer der Höhle beim Fräsen entdeckt haben, in die man hineinschauen und so ein Gefühl dafür bekommen kann, wie groß dieser Gigant ist. Gletscherspalten entstehen vor allem an den Randgebieten des Gletschers, deshalb ist es auch so gefährlich, sich ohne erfahrenen Guide auf diesem aufzuhalten. Unter Schneemassen erkennt man diese nämlich häufig nicht und wenn man einmal in eine 30m tiefe Spalte gefallen ist, kommt man da so schnell nicht wieder raus. 

Nach knapp anderthalb Stunden bewegten wir uns in dem herzförmig gefrästen Tunnel wieder Richtung Ausgang, erhielten noch ein gletschergekühltes Bier und sahen beim Hinaustreten die letzten Sonnenstrahlen des Tages durch die Wolken schimmern. Die Stille auf so einem Gletscher ist beeindruckend und wird nur durch den Wind durchbrochen. Auf dem Heimweg leuchtete uns das Nordlicht den Weg und ich freute mich, der Natur so nah gekommen zu sein, wie es eigentlich nie möglich wäre. 

Habt ihr schon einmal eine Eishöhlentour gemacht bzw. wart selbst in der Gletscherhöhle? Wir freuen uns auf eure Erfahrungsberichte!

Verið blessuð liebe Nordland-Freunde, Euer contrastravel-Team

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