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Islands Nationalfeiertag - Ein geschichtlicher Rückblick

Flagge - Island

Am vergangenen Sonntag wurde wie jedes Jahr der Nationalfeiertag der Insel im Nordmeer gefeiert. Seit 1944 ist Island unabhängig, doch der Weg dorthin war steinig. Einen kleinen geschichtlichen Rückblick wollen wir euch heute geben, um den Inselstaat besser zu verstehen.

Góðan daginn liebe Nordland-Freunde, 

Nicht nur die erstmalige Teilnahme der isländischen Männerfußballmannschaft lädt die Tage zum Feiern ein, sondern wie jedes Jahr auch der isländische Unabhängigkeitstag am 17. Juni, der im ganzen Land zelebriert wird. Wie es dazu kam, verraten wir euch heute hier:

Besiedlung des Landes – ab 870

Der erste Siedler Ingólfur Arnarson, sein Ziehbruder Hjörleifur Hróðmarsson und deren Familien erreichten die Insel um 870 n. Chr, nachdem Ingólfur in Norwegen sein ganzes Land verloren hatte. Er ließ sich an der Südküste bei Ingólfshöfði nieder. Sein Ziehbruder Hjörleifur zog in die Nähe von Vík, wurde allerdings von seinen irischen Sklaven erschlagen, die sich dann auf eine Inselgruppe unweit der Südküste niederließen. Ingólfur erschlug diese Sklaven und benannte die Inselgruppe nach Ihnen – Westmännerinseln. Ingólfur Arnarson ließ sich dann als erster Dauersiedler im Gebiet des heutigen Reykjavík nieder. 

Die Zeit des Freistaats und Christianisierung - 930 bis 1262

Eingeteilt war das Land in Godentümer. Für Entscheidungen innerhalb dieser Godentümer wurden Versammlungen – Þing – abgehalten. Da diese Godentümer sich soweit entwickelten, dass eine einheitliche Gesetzgebung und eine Staatbildung sinnvoll schien, entsandte man den weisen Ulfjot nach Norwegen, der einige Jahre später die erste Versammlung im Alþing zusammenrief und Recht nach norwegischem Vorbild sprach. Von da an wurden wichtige Entscheidungen, die alle Godentümer betrafen, bei der Versammlung aller Godentümer-Vertreter auf dem Alþingi getroffen. Damit ist es das älteste bestehende Parlament der Welt. 

Über die Religion der ersten Siedler Islands ist recht wenig bekannt, aber man geht davon aus, dass auch die auf dem Festland bekannten germanischen Götter verehrt wurden. Um die Handelsbeziehungen zwischen Island und Norwegen auszubauen, verlangte der bereits zum Christentum konvertierte norwegische Herrscher Olafur Tryggvason selbiges, teils mit Gewaltandrohung, vom isländischen Volk. Um 1000 n. Chr. wurde in Island das Christentum als Staatsreligion beschlossen, die heidnischen Götter durften zunächst weiterhin nebenher verehrt werden.

Das Land wurde immer wieder durch ungelöste Rechtsfälle und daraus resultierenden jahrelangen Fehden mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen zwischen mächtigen Geschlechtern erschüttert. Es gab keine Exekutivmacht, die dem Einhalt bieten konnte. Dieser Teil der Geschichte findet sich in den überlieferten Sagas. Norwegische Könige konnten damals ihren Einfluss verstärken, und so wurde um 1262 ein Vertrag unterzeichnet, der Island der Krone Norwegens unterstellte und für Ruhe sorgen sollte. 

Unter norwegischer Herrschaft – 1262 bis 1380

Obwohl anders in diesem Vertrag festgehalten, wurde die isländische Rechtsprechung durch die norwegische abgelöst, das Alþing entmachtet, das Land an Anhänger des norwegischen Königs verpachtet und nicht selten zu deren Gunsten ausgebeutet. 

Die Macht und der Reichtum der Kirche wuchs immer mehr, da alle Güter, auf denen Kirchen errichtet wurden, in den Besitz der Mutterkirchen übergingen. 

Mit dem Vulkanausbruch der Hekla im Jahr 1341 zog dann das düstere Jahrhundert auch in Island ein. Dieses brachte nicht nur Hungersnot unter die Bevölkerung, sondern auch die Pest, die im restlichen Europa längst Einzug gehalten hatte. 

Dänische Herrschaft und Naturkatastrophen – ab 1380 bis 1785

Da Island zwischen 1397 und 1448 zur Kalmarer Union gehörte - eine Vereinigung der skandinavischen Königreiche Norwegen, Schweden und Dänemark unter dänischer Vorherrschaft – und im Jahr 1662 Ludwig XIV von Frankreich sowie der Dänenkönig Friedrich III den Absolutismus einführten, verloren sie mit der Anerkennung der absoluten Monarchie ihre letzten eigenständigen Rechte.

Nachdem die Norweger bereits ein Handelsmonopol für Island hatten, stiegen im 15. Jahrhundert auch die Dänen und die deutsche Hanse mit ein. Die fischreichen Gewässer um die Insel brachten neue, durch Klimaveränderungen begünstigten Exportschlager hervor.

Nach bevölkerungsminimierender erneuter Pest- und Pockenepidemie zum Anfang des 18. Jahrhunderts und dem Ausbruch der Laki-Krater und des Grimsvötn 1783 und 1785 wurde das damalige dänische Handelsmonopol gelockert, um dem gebeutelten Volk Hilfe zu leisten. Da all das nicht half, hatte man sogar in Erwägung gezogen, die Einwohner der Insel zu evakuieren und nach Westjütland umzusiedeln. Doch der enorme Gasausstoß und Ascheregen machten dies unmöglich, verdunkelte nicht nur in Island die Sonne, sondern führte in ganz Europa zu Lebensmittelknappheit und Hungersnöten und kostete ein Fünftel der Isländer das Leben.

Unabhängigkeitsbestrebungen - 1785 - 1944

Die Napoleonischen Kriege hatten 1792 bis 1815 eine weitere Mangelsituation in Island ausgelöst und nach dem Kieler Frieden die Insel weiterhin unter Dänemarks Macht gestellt. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Reykjavík zum intellektuellen Zentrum Islands, auch durch die Isländer, die in Festlandeuropa zu dieser Zeit studierten. Von dort brachten diese auch die dort verbreiteten Ideen des Nationalismus mit. Eine Renaissance des Alþing wurde angestrebt. Der dänische König Christian VIII veranlasste 1845 eine besondere ratgebende Versammlung in Reykjavík, die allerdings nur eine beratende Funktion für den dänischen Thron darstellte. Von da galt Reykjavík als Hauptstadt des Landes. 

In dieser Zeit trug Jón Sigurðsson ausschlaggebende Schritte Richtung Unabhängigkeit Islands bei. Nachdem 1848 der Absolutismus geendet hatte, musste die Verfassungsfrage für Island wieder neu verhandelt werden. Jón vertrat für seine Landsleute seine Grundsätze über das Verhältnis zwischen Dänemark und Island, doch musste sich damit abfinden, dass Island trotz massiver Forderungen nicht unabhängig wurde. Seinen Bestrebungen nach der Auflösung des dänischen Handelsmonopols über Islands wurde 1854 stattgegeben. 1874 erhielt das Alþing begrenzte legislative Rechte. Das Land hatte nun eine eigene Verfassung, aber nach wie vor keine eigene Exekutive. Dies sollte sich erst nach seinem Tod 1879 durchsetzen.

Zwischen etwa 1870 und 1914 verließen rund 17.000 Menschen Island, also etwa 15 % der Bevölkerung, um vor der immernoch herrschenden wirtschaftlichen Not, die 1875 durch den Ausbruch des Vulkans Askja noch verschärft wurde, zu fliehen.

Nachdem 1915 die isländischen Frauen das aktive und das passive Wahlrecht erhielten, wurde am 1. Dezember 1918 der Unionsvertrag mit Dänemark unterzeichnet. Somit wurde die Unabhängigkeit Islands von Dänemark eingeleitet. Die Außenpolitik Islands wurde weiterhin von Dänemark bestimmt und Island war neutral aufgestellt und unterhielt – bis heute – keine Militärmacht.

Die Neutralität und seine abgeschiedene Lage sollte für Island im Zweiten Weltkrieg ein Segen sein. Die Briten besetzten 1940 die Insel, um diese vor einer deutschen Übernahme zu bewahren. Ab 1941 übernahmen die USA die Besetzung, um die Britische Armee zu entlasten. Diese Besetzung brachte der Insel durch die Schaffung zahlreicher Arbeitsplätze für den Bau britischer und amerikanischer Armeeanlagen und nicht zuletzt der Flughäfen in Reykjavík und Keflavík wirtschaftlichen Aufschwung.  

Gemäß des Unionsvertrags von 1918 sprach sich bei der Volksabstimmung von 1944 die absolute Mehrheit für die Unabhängigkeit Islands aus. In einer Zeremonie am Ort des historischen Alþing in Þingvellir wurde am 17. Juni 1944, am Geburtstag von Jón Sigurðsson, die Republik Islands ausgerufen. 

Hæ Hó Jibbí Jei það er kominn 17. júní! Til hamingju!

Habt ihr Anregungen für uns, so schreibt uns gern in die Kommentare. 
Vertu blessaður liebe Nordland-Freunde, Euer contrastravel-Team

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