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Vier Pfoten im Schnee - der Polarfuchs in Island

Polarfuchs - West-Island

Auf Island geht es meist um die Landschaft, die von den ersten Siedlern mitgebrachten Islandpferde und –schafe oder die vielfältige Vogelwelt. Der ursprüngliche Herrscher der Insel wird dabei meist vergessen, obwohl er doch zuerst dort war, lange vor den Menschen: der Polarfuchs. In diesem Blog soll es daher einmal nur um diesen pelzigen Bewohner Islands gehen …

Góðan daginn liebe Nordland-Freunde, 

Dichtes weiches Fell in Grau oder Weiß, aus dem intelligente, freche Augen blitzen; immer auf der Suche nach der nächsten Nahrung – so kennt man den Polarfuchs. Vor allem im Winter muss er kreativ sein, um zu überleben. Aber nicht nur seine Intelligenz hilft ihm, die kalte Jahreszeit zu überstehen …

Aussehen und Anpassung an eisige Temperaturen

Der Polarfuchs (isländisch Melrakki) ist, entsprechend seiner kalten Heimat rund um den Polarkreis, gedrungener als sein uns bekannter Verwandter, der Rotfuchs. Er hat kürzere Beine und kleinere Ohren, am bemerkenswertesten ist allerdings sein Pelz. Dieser kann in zwei Farbvarianten auftreten: als weiße oder blaue Morphe. Während Füchse der weißen Farbvariante im Winter schneeweiß erscheinen und im Sommer zu dunklerem, braunen Fell an Rücken, Kopf und Beinen wechseln, behalten die der blauen Variante ihr dunkles Kleid bei und sind auch im Winter dunkelgrau, braun oder fast schwarz. Auf Island überwiegen die „Blaufüchse“, anderswo, wie im Nordwesten Kanadas, sind die winterweißen Tiere in der Überzahl. Da das Gen für den weißen Pelz rezessiv ist, können auch zwei Füchse der blauen Variante Nachkommen in dieser Farbe haben. Die „Weißfüchse“ halten sich trotz der Dominanz der dunkleren Morphe dadurch, dass sie im Winter besser getarnt sind und ihre Überlebenschancen somit etwas höher liegen. Der Pelz der Tiere ist in sich bereits außergewöhnlich, da das Winterfell fast dreimal dichter als das Sommerkleid und das am besten Isolierende unter allen Säugetieren ist – so können sie Temperaturen bis zu -80°C überleben. Auch haben Polarfüchse als Einzige in der Familie der Hundeartigen Fell an den Fußballen, um den Wärmeverlust auf langen Strecken über Schnee und Eis möglichst gering zu halten. Dabei haben Wissenschaftler herausgefunden, dass erstaunlicherweise der Energieaufwand, der zum Rennen benötigt wird, im Winter geringer ist als im Sommer. Auch bei der Nahrung haben sich die Füchse ihrem Lebensraum angepasst – auf Island bestehen ihre Mahlzeiten im Sommer aus Insekten, Beeren, Eiern und Vögeln bis hin zu Aas und Muscheln am Strand – je nachdem, was ihnen erreichbar ist. Um für den harten Winter vorzusorgen, legen sie unterirdische Lager mit Vorräten an, wobei schon bis zu 100 Vögel in einem solchen Vorratstunnel gefunden wurden. 

Aufzucht der Jungen und Revierverhalten

Den Großteil des Jahres über leben Polarfüchse als Einzelgänger, zur Paarungszeit finden sich jedoch zwei Partner zusammen und unterstützen sich in den folgenden Monaten bei der Versorgung der Nachkommen. Bis zu zehn Junge kann so eine Fuchsfamilie beinhalten, die zuerst rundum von der Mutter versorgt und gesäugt werden, während der Vater auf Nahrungssuche ist. Nach zwei bis vier Wochen beginnt auch die Füchsin wieder zu jagen, während die Jungen sich zu dieser Zeit meist das erste Mal aus dem Bau herauswagen, um verspielt die Welt zu erkunden. Gegen Ende des Sommers werden die Jungfüchse von den Eltern nicht länger versorgt und regelrecht vertrieben, worauf sie den ersten Winter allein auf sich gestellt verbringen. Im Alter von weniger als einem Jahr werden sie geschlechtsreif und suchen sich ein eigenes Revier – meist ein Gebiet von etwa 20 Quadratkilometern – dessen Grenzen sie regelmäßig ablaufen und das sie gegen andere männliche Füchse verteidigen. Auf Island ist diese Rivalität im Kampf um Territorien besonders zu spüren, da die Tiere als einzig einheimische Landsäugetiere der Insel zwar keine größeren Raubtiere fürchten müssen, aber so umso mehr Konkurrenz entsteht. Oft erlauben die Elternpaare (vor allem in West-Island) ihrem Nachwuchs daher, den ersten Winter in ihrem Geburtsgebiet zu verbringen, bevor sie sich endgültig von ihnen abnabeln.

Polarfuchs und Mensch

Sein besonders dichter, weicher und schöner Pelz ist der Hauptgrund dafür, dass Polarfüchse lange Zeit sehr stark gejagt wurden – besonders die weiße Variante war hier beliebt. Auch von Island aus wurden die Pelze gewinnbringend verkauft, bis die ersten Pelztierfarmen die Preise so sehr nach unten drückten, dass der Pelzhandel sich nicht mehr lohnte. Allerdings wurden die Füchse weiterhin in großem Stil mit Ködern vergiftet und abgeschossen, da sie als Bedrohung von Nutztieren und Eiderenten angesehen wurden. Heute gehört das Gift der Vergangenheit an, die Polarfüchse sind wie andere Wildtiere mehr geschützt als zuvor und ihr Bestand wird sorgfältig kontrolliert. Wer heute Jagd auf die Tiere machen will, benötigt eine Jagdlizenz. Das alles hat dazu beigetragen, dass sich die Population von nur ungefähr 1300 Tieren um 1964 auf 8000 Individuen erhöht hat. Vor allem in den Westfjorden ist der Bestand groß. Außer dem Menschen sind Krankheiten die Haupttodesursache von Polarfüchsen – obwohl es auf Island zumindest keine Tollwut gibt, sind die Tiere oft von verschiedenen inneren und äußeren Parasiten befallen. So ist auch der Polarfuchs beispielsweise Endwirt des Fuchsbandwurms und wird häufig Opfer von Milben, die Räude verursachen. Durch ihren neu erworbenen Schutz sind die Tiere vor allem im Westen Islands nicht mehr so scheu wie früher und beobachten Besucher in ihren Territorien schon einmal neugierig aus geringerem Abstand. Allerdings sollten sich auch Fotobegeisterte nicht zu nah an die Füchse heranwagen, um diese nicht zu stören und vor allem sich selbst vor eventuellen Krankheiten zu schützen. Auch von einem entdeckten Fuchsbau ist Abstand zu halten, diese Regel ist sogar vom isländischen Gesetz festgelegt. 

Das "Königreich der Polarfüchse" und das Arctic Fox Centre

Wie bereits erwähnt ist die Polarfuchspopulation im Westen Islands am größten, nichts schlägt jedoch die Revierdichte auf der – bis auf Trekkingtouristen – unbewohnte Halbinsel Hornstrandir. Hierhin zieht es selbst Tierfilmer und Fotografen auf der Suche nach einmaligen Motiven und Bildern aus dem Leben der fluffigen Überlebenskünstler. Nicht verwunderlich ist, dass sich ein Forschungs- und Informationszentrum für die Tiere nahe dieses „Königreichs der Polarfüchse“ befindet. Im Arctic Fox Centre in Súðavík werden Informationen über Bestände und Lebensweise gesammelt, Touren für Fuchsbegeisterte nach Hornstrandir geplant und verschiedene Ausstellungen präsentiert. Hier gibt es viel über die Füchse, ihre Geschichte auf Island und den nachhaltigen Tourismus in ihrem Reich zu lernen. Ein Besuch im Museum lohnt sich immer, das kleine hauseigene Café lockt mit Snacks und Erfrischungen und das Highlight das Zentrums wartet draußen: die beiden Polarfüchse Ingi und Móri, die nach dem Tod ihrer Eltern bei der jährlichen Fuchsjagd gefunden und hier aufgezogen wurden. Sie sind zu sehr an Menschen gewöhnt, um in Freiheit zu leben, und verbringen ihre Tage so im Außengehege des Zentrums.

Ihr seid schon einmal einem Polarfuchs auf Island begegnet oder habt weitere Anregungen zu dem Thema? Dann hinterlasst uns doch einfach einen Kommentar. Wir freuen uns auf eure Erlebnisse und Ideen.

Vertu blessaður liebe Nordland-Freunde, Euer contrastravel-Team

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