Diese Webseite verwendet Cookies

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

OK

Walisch für Anfänger - Meeressäuger rund um Island

Eyjafjörður - Nord-Island

Es ist ein unglaubliches Gefühl, einen Wal aus der Nähe zu beobachten, plötzlich eine genaue Vorstellung zu bekommen von den Ausmaßen und der Kraft dieser großen Säugetiere – aber auch von ihrer Intelligenz und Neugier. Heute stellen wir einige von ihnen näher vor und ihr erfahrt mehr über das Verhältnis zwischen Walen und Menschen auf Island …

Góðan daginn liebe Nordland-Freunde, 

Für viele sind die guten Chancen auf ein Walfoto ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung für die Reise nach Island. Tatsächlich sind die Bedingungen hier besonders gut und mit etwas Glück klappt es auch mit der Sichtung. Meist taucht dabei einer der hier vorgestellten Wale auf und lässt sich bewundern …

Häufige Gäste im Nordatlantik

Da die Gewässer rund um Island besonders nährstoff- und fischreich sind, ziehen sie auch die großen Meeressäuger an. Am häufigsten ist der Zwerg- oder Minkwal anzutreffen. Er gehört zu den Furchenwalen und ist mit einer Maximallänge von 9,8 Metern wirklich ziemlich klein – zumindest im Vergleich mit anderen Furchenwalen. Zwergwale leben allein oder in lockeren Gruppen, die meist 2 bis 3, manchmal aber auch bis zu 15 Mitglieder umfassen können. Sie ernähren sich hauptsächlich von Krill, den sie mit ihren rund 300 Barten aus dem Wasser „filtern“, aber auch von kleineren Schwarmfischen wie Sardinen. Diese Walart gilt als besonders neugierig und nähert sich oft Schiffen. 

Auch Buckelwale halten sich häufig in den Buchten vor Island auf. Sie sind mit 12 bis 15 Metern Körperlänge bereits deutlich größer als Zwergwale, und ihre Flipper, die seitlichen Flossen, sind charakteristisch besonders groß. Der Rücken eines Buckelwals ist meist schwarz, der Bauch und die Flanken sowie die Flipper können jedoch mehr oder weniger weiß gefleckt sein, je nach individueller Färbung und Population. Daran kann man die Tiere - abgesehen von Narben und Flipperform - gut unterscheiden. Buckelwale sind berühmt für ihren Gesang und ihre Lebhaftigkeit, die sich oft durch beeindruckende Sprünge aus dem Wasser heraus zeigt. Ihr Bestand war vor dem weltweiten Fangverbot im Jahr 1966 sehr bedroht, konnte sich seither aber wieder erholen. 


Blauwale sind meist nördlich von Island anzutreffen. Der größte je gemessene Blauwal war etwas über 33 Meter lang, aber auch durchschnittlichere Vertreter der Art machen mit ungefähr 26 Metern Körperlänge deutlich, dass sie nicht nur die schwersten, sondern auch längsten Tiere sind, die je gelebt haben (mit Ausnahme einiger Dinosaurier vielleicht). Blauwale ernähren sich von Plankton und sind dabei auf Kleinstkrebse spezialisiert. Sie sind auf ihren Wanderungen meist allein unterwegs, häufig werden jedoch Kühe von ihren Jungtieren begleitet, auch nachdem diese entwöhnt sind. Der Blas des Blauwals, also die ausgeatmete Luftfontäne, kann bis zu 9 Meter hoch sein. Tauchgänge der Tiere sind meist 3 bis 10 Minuten, vereinzelt sogar bis zu 20 Minuten lang. 

Der Schwertwal oder Orca kann gelegentlich im Sommer vor Snæfellsnes beobachtet werden, ist im Winter jedoch aktiver. Die Tiere gehören zur Familie der Delfine und sind Zahnwale, sie haben also keine Barten zum Filtern von Plankton, sondern einzelne Zähne. Besonders charakteristisch sind ihre schwarz-weiße Färbung und die hohe Rückenfinne. Mit fast 10 Metern Maximallänge bei Bullen und 9 bei Kühen sind Schwertwale die größten Vertreter der Delfine. Sie gelten als die uneingeschränkten Herrscher der Meere, da sie keine natürlichen Feinde haben und durch ihre außergewöhnliche Intelligenz unschlagbare Jäger sind. Nach Unterschieden in Körperbau, Farbe und Verhalten, aber auch bevorzugten Gebieten, Beutetieren und Jagdstrategien werden diverse Untergruppen unterteilt. Schwertwale haben ausgeprägte Sozialstrukturen und innerhalb der Gruppen, die der Mutterlinie der Familien folgen, entstehen spezifische Dialekte der Lautäußerung sowie eigene Jagdtechniken, die an die Nachkommen weitergegeben werden.

Der Weißschnauzendelfin kommt nur im Nordatlantik vor und kann häufig rund um Island beobachtet werden. Die Tiere werden bis zu 2,75 Meter lang, wobei die Männchen etwas größer sind als die Weibchen. Man erkennt sie an ihrer kurzen, cremefarbenen Schnauze und der hellen Zeichnung an den Seiten, sowie der sichelförmig gebogenen Rückenflosse. Weißschnauzendelfine schließen sich zur Jagd und in der Paarungszeit zu Gruppen von 6 bis 20 Tieren zusammen und können auch mit anderen Walarten gemischte Gemeinschaften bilden, so finden sie sich häufig mit Großen Tümmlern zusammen oder begleiten Finnwale. Meist halten sie sich auf dem offenen Meer auf, wo sie Fischschwärme jagen, manchmal kommen sie aber auch in Küstennähe.

Whale Watching in Island

Seit der Tourismus in Island boomt, wird auch Whale Watching immer erfolgreicher. Viele der Besucher wollen sich die einmalige Gelegenheit nicht entgehen lassen, die sanften Meeresbewohner einmal selbst vor die Linse zu bekommen. Besonders im Westen Islands, von der Halbinsel Snaefellsnes aus, und im Norden von Húsavík starten viele Touren, aber auch in Reykjavík werden sie angeboten. Einige der Touranbieter arbeiten mit Wissenschaftlern zusammen, die die Wale erforschen und darauf achten, dass die Schiffe nicht zu nah an die Tiere heranfahren und sie stören. Denn auch wenn man den faszinierenden Meeresgeschöpfen gern so nah wie möglich wäre, sollte deren Wohl immer an erster Stelle kommen. Auch besteht keine Garantie, bei einer Tour tatsächlich immer Wale zu entdecken. Aber wenn es dann doch klappt, ist es ähnlich wie bei den Nordlichtern, ein einmaliges Erlebnis. Angie vom contrastravel-Team hat über ihre persönlichen Erfahrungen bereits berichtet, ihren Blogbeitrag findet ihr hier.

Walfang - eine umstrittene Tradition

Trotz der Tatsache, dass das Geschäft mit der Walbeobachtung boomt, wurden in Island auch in den letzten Jahren mit Unterbrechungen Wale gefangen. Nicht nur aus dem Ausland hagelt es dafür Kritik – auch im Inland stehen viele der Jagd auf die Tiere kritisch gegenüber oder sind zumindest keine Walfleisch-Fans. Tatsächlich wird das meiste Walfleisch an Touristen verkauft, die in Restaurants etwas ganz besonderes essen möchten. Ansonsten ist die Nachfrage mit Abstand nicht so groß wie das Angebot, das Fleisch wird zu unverständlich günstigen Preisen angeboten bzw. zum Teil weggeworfen. Das ergibt angesichts des Aufwands wenig Sinn, ist aber durch die strengen Handelsbeschränkungen für den internationalen Verkauf von Walfleisch zu erklären. Wie für verschiedene Fischarten gibt es auch für den Walfang festgelegte Quoten. Von Island aus werden vor allem Zwergwale, aber auch die bedrohten Finnwale erlegt, wobei von Letzteren nach einer Pause in diesem Jahr wieder 161 gefangen werden dürfen. Zwar sollen die Fangquoten sich in einem nicht populationsgefährdenden Bereich befinden, aber bei solchen Berechnungen werden häufig andere Bedrohungen außer Acht gelassen, die den Walen außerdem noch zusetzen, wie die ständig zunehmende Verschmutzung ihres Lebensraums. Außerdem beobachten auch die Whale-Watching-Unternehmen mit Sorge, dass sich ihre Beobachtungs- und die Fanggebiete in kurzer Distanz zueinander befinden und sich teilweise überschneiden, wie in der Faxaflói-Bucht.

Man darf nicht vergessen, dass Island eine lange Tradition des Walfangs hat und diese Tiere früher essentiell zum Überleben im dunklen Winter waren – als Eiweiß- und Fettquelle. Aber die Insel ist schon lange nicht mehr auf die Nutzung von Walen angewiesen und deren Fang ist immer weniger rentabel, da der Absatzmarkt fehlt. Die Frage ist letzten Endes, ob die Isländer an etwas festhalten wollen, gegen das es mittlerweile viele moralische und auch wirtschaftliche Argumente gibt, nur um alte Traditionen fortzuführen.

Ihr habt schon einmal einen Wal in den isländischen Gewässern gesehen? Dann hinterlasst uns doch einfach einen Kommentar. Wir freuen uns auf eure Erlebnisse und Ideen.

Verið blessuð liebe Nordland-Freunde, Euer contrastravel-Team

Kommentieren