Vier Pfoten im Schnee - der Polarfuchs in Island
Auf Island geht es meist um die Landschaft, die von den ersten Siedlern mitgebrachten Islandpferde und –schafe oder die vielfältige Vogelwelt. Der ursprüngliche Herrscher der Insel wird dabei meist vergessen, obwohl er doch zuerst dort war, lange vor den Menschen: der Polarfuchs. In diesem Blog soll es daher einmal nur um diesen pelzigen Bewohner Islands gehen …
Góðan daginn liebe Nordland-Freunde,
Dichtes weiches Fell in Grau oder Weiß, aus dem intelligente, freche Augen blitzen; immer auf der Suche nach der nächsten Nahrung – so kennt man den Polarfuchs. Vor allem im Winter muss er kreativ sein, um zu überleben. Aber nicht nur seine Intelligenz hilft ihm, die kalte Jahreszeit zu überstehen …
Aussehen und Anpassung an eisige Temperaturen
Der Polarfuchs ist perfekt an das Leben rund um den Polarkreis angepasst. Im Vergleich zum Rotfuchs ist er kleiner, gedrungener und besitzt ein extrem dichtes Fell – das beste isolierende Fell aller Säugetiere. So überlebt er sogar Temperaturen bis zu -80 °C. Auf Island gibt es zwei Farbvarianten: den winterweißen „Weißfuchs“ und den dunkleren „Blaufuchs“, der dort häufiger vorkommt. Besonders praktisch: Als einzige Hundeartige haben Polarfüchse Fell an den Pfoten, um Wärmeverlust im Schnee zu vermeiden.
Ihre Nahrung ist vielseitig und reicht von Beeren, Insekten und Vögeln bis zu Muscheln oder Aas. Für den Winter legen die cleveren Tiere Vorräte in unterirdischen Lagern an – dort wurden schon über 100 gesammelte Vögel entdeckt.
Aufzucht der Jungen und Revierverhalten
Den Großteil des Jahres über leben Polarfüchse als Einzelgänger, zur Paarungszeit finden sich jedoch zwei Partner zusammen und unterstützen sich in den folgenden Monaten bei der Versorgung der Nachkommen. Bis zu zehn Junge kann so eine Fuchsfamilie beinhalten, die zuerst rundum von der Mutter versorgt und gesäugt werden, während der Vater auf Nahrungssuche ist. Nach zwei bis vier Wochen beginnt auch die Füchsin wieder zu jagen, während die Jungen sich zu dieser Zeit meist das erste Mal aus dem Bau herauswagen, um verspielt die Welt zu erkunden. Gegen Ende des Sommers werden die Jungfüchse von den Eltern nicht länger versorgt und regelrecht vertrieben, worauf sie den ersten Winter allein auf sich gestellt verbringen. Im Alter von weniger als einem Jahr werden sie geschlechtsreif und suchen sich ein eigenes Revier – meist ein Gebiet von etwa 20 Quadratkilometern – dessen Grenzen sie regelmäßig ablaufen und das sie gegen andere männliche Füchse verteidigen. Auf Island ist diese Rivalität im Kampf um Territorien besonders zu spüren, da die Tiere als einzig einheimische Landsäugetiere der Insel zwar keine größeren Raubtiere fürchten müssen, aber so umso mehr Konkurrenz entsteht. Oft erlauben die Elternpaare (vor allem in West-Island) ihrem Nachwuchs daher, den ersten Winter in ihrem Geburtsgebiet zu verbringen, bevor sie sich endgültig von ihnen abnabeln.
Polarfuchs und Mensch
Der schöne, dichte Pelz des Polarfuchs machte den Polarfuchs lange zu einem beliebten Jagdziel – besonders die weißen Tiere wurden stark verfolgt. Später galten die Füchse außerdem als Gefahr für Nutztiere und Eiderenten. Heute stehen sie deutlich besser unter Schutz: Jagd ist nur noch mit Lizenz erlaubt, Giftköder sind verboten und die Bestände werden überwacht. Dadurch wuchs die Population auf Island von etwa 1300 Tieren in den 1960er Jahren auf rund 8000 Tiere an, besonders in den Westfjorden.
Trotzdem bleiben Krankheiten und Parasiten eine Gefahr. Gleichzeitig sind viele Polarfüchse heute weniger scheu und lassen Menschen näher heran. Besucher sollten aber Abstand halten – sowohl zum Schutz der Tiere als auch wegen möglicher Krankheiten. Auch Fuchsbauten dürfen laut Gesetz nicht gestört werden.
Das "Königreich der Polarfüchse" und das Arctic Fox Centre
Wie bereits erwähnt ist die Polarfuchspopulation im Westen Islands am größten, nichts schlägt jedoch die Revierdichte auf der – bis auf Trekkingtouristen – unbewohnte Halbinsel Hornstrandir. Hierhin zieht es selbst Tierfilmer und Fotografen auf der Suche nach einmaligen Motiven und Bildern aus dem Leben der fluffigen Überlebenskünstler. Nicht verwunderlich ist, dass sich ein Forschungs- und Informationszentrum für die Tiere nahe dieses „Königreichs der Polarfüchse“ befindet. Im Arctic Fox Centre in Súðavík werden Informationen über Bestände und Lebensweise gesammelt, Touren für Fuchsbegeisterte nach Hornstrandir geplant und verschiedene Ausstellungen präsentiert. Hier gibt es viel über die Füchse, ihre Geschichte auf Island und den nachhaltigen Tourismus in ihrem Reich zu lernen. Ein Besuch im Museum lohnt sich immer, das kleine hauseigene Café lockt mit Snacks und Erfrischungen und das Highlight das Zentrums wartet draußen: die beiden Polarfüchse Ingi und Móri, die nach dem Tod ihrer Eltern bei der jährlichen Fuchsjagd gefunden und hier aufgezogen wurden. Sie sind zu sehr an Menschen gewöhnt, um in Freiheit zu leben, und verbringen ihre Tage so im Außengehege des Zentrums.
Ihr seid schon einmal einem Polarfuchs auf Island begegnet oder habt weitere Anregungen zu dem Thema? Dann hinterlasst uns doch einfach einen Kommentar. Wir freuen uns auf eure Erlebnisse und Ideen.
Verið blessuð liebe Nordland-Freunde, Euer contrastravel-Team
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