15.12.2021

Isländische Handschriften und die Bücherflut zu Weihnachten

Alte Bücher - Island
Bücher direkt neben der Schreibmaschine

Bald ist Weihnachten und das bedeutet, dass auf unserer Lieblingsinsel die sogenannte jólabókaflóð, die weihnachtliche „Bücherflut“, in vollem Gange ist. Was es damit auf sich hat und auf die Rückkehr welcher literarischen Werke die Isländer viel länger warten mussten als bis zum nächsten Heiligabend, erfahrt ihr heute …

Góðan daginn liebe große und kleine Islandfans,

es weihnachtet schon sehr, und das natürlich nicht nur bei uns, sondern auch in Island, wo die Tage nun noch kürzer sind als hier und sich so schon die Nachmittage in Winterabende verwandeln. Was würde da besser passen als es sich zuhause mit einem Buch gemütlich zu machen, um die Kälte und Dunkelheit draußen zu vergessen? Genau das denken sich viele der Inselbewohner jedes Jahr, sodass in der lesebegeisterten Nation Bücher als Geschenke beinahe Pflicht sind …

Die Bücherflut zu Weihnachten

Nirgendwo auf der Welt werden so viele Bücher pro Kopf veröffentlicht wie auf Island, und gerade jetzt, in der Zeit kurz vor Weihnachten, wird noch einmal ein Vielfaches an Büchern im Vergleich zum restlichen Jahr verkauft. Daher ist es nicht verwunderlich, dass jeder zum Weihnachtsfest mindestens ein Buch geschenkt bekommt, und diese große Welle an Buchkäufen und –geschenken bildet die jährliche Bücherwelle bzw. Bücherflut. Natürlich muss vorher ausgiebig über Neuerscheinungen diskutiert werden, um herauszufinden, zu wem welches Buch am besten passt, und nach Weihnachten ist fleißiges Lesen angesagt – und Vergleichen und Bewerten der neuesten Werke von Lieblingsautoren oder Neuentdeckungen. Und die Isländer sind nicht erst seit ein paar Jahren bücherbegeistert, denn schon früh in der isländischen Geschichte konnte ein großer Teil der Bevölkerung Lesen und Schreiben – keineswegs eine Selbstverständlichkeit damals, besonders nicht, da auch so viele Menschen arm waren. Und dann sind da natürlich noch die isländischen Handschriften, die teils selbst schon ähnlich abenteuerliche Reisen hinter sich haben wie so mancher Sagaheld …

Die Arnamagnäanische Sammlung und ihre Geschichte

Benannt ist diese Handschriftensammlung nach Árni Magnússon, dem Mann, der sie im 17. Jahrhundert begründet. Vom dänischen König beauftragt, begann er damit, mittelalterliche isländische Handschriften verschiedenster Art zusammenzutragen. Er blieb aber nicht der Einzige, der zu der Sammlung beitrug, und so wuchs die Zahl der Handschriften weiter an, je mehr Zeit verging, bis die Sammlung die Größe einer beeindruckenden Bibliothek erreichte. Die gesammelten Handschriften wurden in Kopenhagen aufbewahrt – teils aus politischen Gründen, was angesichts des Auftraggebers und der dänischen Herrschaft über Island nicht verwunderlich ist, aber auch aus Geldgründen und letztendlich auch, weil zu Beginn auf Island weniger Möglichkeiten vorhanden waren, die empfindlichen, alten Bücher aufzubewahren, ohne dass sie verfielen oder Schaden nahmen. Bis zum Jahr wurde die gesamte Sammlung in Kopenhagen aufbewahrt, danach begann die Rückgabe, die sich bis Ende der 90er Jahre hinzog und deren Ergebnis war, dass sich heute etwas mehr als die Hälfte der Handschriften im Arnamagnäanischen Institut in Reykjavík befinden. Aber diese beiden Standorte sind nicht die einzigen, denn ein kleiner Teil der Sammlung ist auch weiter im Ausland verteilt, so zum Beispiel in Schweden. Aber was sind das denn nun für Handschriften, von denen so viele erst ins Ausland reisten und erst nach vielen Jahren den Weg zurück in ihre Heimat fanden? Die Sammlung umfasst kostbare Manuskripte der eddischen Dichtung, der Sagaliteratur (Isländersagas wie die berühmteste, die Brennu Njáls saga, aber auch Königssagas), Rechtstexte und mehr. Über 600 Handschriften und ihre Fragmente gehören heute dazu – ein faszinierender Teil isländischer Literaturgeschichte …

Vielleicht liegt bei euch ja auch das ein oder andere Buch unter dem Weihnachtsbaum – auch wenn es keine echte mittelalterliche Handschrift von der Vulkaninsel ist. Oder vielleicht überlegt ihr auch, euch eine Islandreise für 2022 zu schenken und selbst zu sehen, was auf Island so viele Künstler und Schriftsteller inspiriert? Wir helfen euch gern dabei, das passende Islanderlebnis zu finden!

Euer contrastravel-Team

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