Reichtum aus dem Meer - Fischfang in Island
Heringsboom, Kabeljaukriege – wenn diese abenteuerlichen Begriffe im Zusammenhang mit Island fallen, ist man erstmal ein wenig ratlos und auch neugierig. Heute machen wir eine kleine Reise in die Vergangenheit, geben einen kurzen Überblick über die Geschichte der isländischen Fischerei und ergründen die Bedeutung der oben genannten Phänomene …
Góðan daginn liebe Nordland-Freunde,
Islands Küche ist reich an Fischgerichten und die Inselbewohner können auf eine lange Geschichte der Fischerei zurückblicken. Erfahrt hier mehr über den Reichtum aus dem Meer und die Änderungen, die dieser Wirtschaftszweig in der Vergangenheit durchlaufen hat ...
Natürliche Bedingungen und Fischvorkommen
Die Gewässer um die Vulkaninsel herum sind außergewöhnlich fischreich, was sich auf die besondere Lage Islands zurückführen lässt: vor der Küste treffen eine warme Meeresströmung, der Irminger- oder Golfstrom, und der kalte Ostgrönlandstrom aufeinander. Das Wasser ist nährstoffreich und enthält viel Phyloplankton, das als Grundlage der Nahrungskette sehr wichtig ist. Außerdem ist es sehr schadstoffarm, so dass sich hier mehr als 200 Fischarten heimisch fühlen. Unter ihnen sind beispielsweise Makrele, Hering, Kabeljau, Seelachs, Flunder, Scholle, Steinbeißer und viele mehr. Auch Krustentiere wie Hummer, Kaisergranate und Garnelen sind zahlreich vertreten und landen nicht selten auf den Tellern der Restaurants rund um die Insel. Dementsprechend hatte der Fischfang auf Island schon immer eine große Bedeutung, da Landwirtschaft nur in geringerem Maße betrieben werden kann und viele Bauern über Jahrhunderte hinweg auch Fischer waren.
Heringsboom und Kabeljaukriege
Die Fischerei prägt Island bis heute. Ende des 19. Jahrhunderts begann mit riesigen Heringsschwärmen vor der Küste ein echter Boom: Immer mehr Menschen arbeiteten als Fischer oder in Fischfabriken. Besonders Siglufjörður entwickelte sich zum Zentrum der Heringsindustrie. Im heutigen Herring Era Museum wird diese Zeit noch lebendig gezeigt. Doch Überfischung ließ die Heringsbestände zusammenbrechen – Fabriken schlossen und viele Menschen verließen die Küstenorte.
Um die Fischbestände zu schützen, weitete Island seine Fangzonen immer weiter aus. Das führte zwischen 1958 und 1976 zu den sogenannten Kabeljaukriegen mit Großbritannien. Britische Trawler fischten trotz Verbote weiter, begleitet von Kriegsschiffen, während die isländische Küstenwache Fangnetze kappte und es sogar zu Zusammenstößen zwischen Schiffen kam. Am Ende setzte Island die heute gültige 200-Seemeilen-Schutzzone durch – ein bis heute wichtiger Grund, warum das Land seine Fischereirechte besonders streng verteidigt.
Heutige Bedeutung
Die Isländer haben aus dem Verlust der Heringsschwärme durch Überfischung gelernt: Heute werden die Bestände verschiedenster Fischarten streng überwacht und jedes Jahr gibt es eine daran angepasste Quote, die für jedes einzelne Schiff festlegt, wie viel von den jeweiligen Arten dieses fangen darf. Außerdem wurden sowohl Flotte als auch Verarbeitungsfabriken immer weiter modernisiert und die Spezialisierung gefördert. Dank dieser Maßnahmen erholen sich die Fischbestände, während Island weiterhin immer mehr Gewinn durch den Export von Fisch macht – ein Modell mit Vorbildfunktion. Durch die Modernisierung der Verarbeitung lässt sich auch erklären, warum in Island trotz der großen Wichtigkeit von Fischprodukten nur ein sehr geringer Teil der Bevölkerung im Fischfang und der Fischverarbeitung beschäftigt ist.
Ihr habt schon einmal das Heringsmuseum in Siglufjörður besucht oder weitere Anregungen zu dem Thema? Dann hinterlasst uns doch einfach einen Kommentar. Wir freuen uns auf eure Erlebnisse und Ideen.
Euer contrastravel Team
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