21.10.2021

Austur-Meðalholt und das Vermächtnis der Torfhäuser

Auf unserer Lieblingsinsel gibt es viele verschiedene Arten, mehr über die Vergangenheit ihrer Bewohner zu erfahren und selbst einmal zu sehen, wie die Isländer in den vergangenen Jahrhunderten lebten. Einen besonders guten Blick in die Geschichte kann man dazu während Besuchen bei alten Torfhöfen oder –kirchen mit ihrer traditionellen Bauweise werfen, und um einen Ort, an dem diese nicht nur in die Vergangenheit gehört, soll es heute gehen …

Góðan daginn liebe Island-Freunde,

sicher habt ihr schon von der Torfkirche Víðimýri, dem Hof von Eiríkur rauði im Westen Islands (Eiríksstaðir), oder dem Gehöft Glaumbær mit seinen grasbewachsenen Häusern gehört – nur drei Beispiele für historische Torfgebäude – oder selbst einen dieser Orte besucht. Auch im Íslenski bærinn Turf House kann man Torfhäuser hautnah erleben …

Ein Mann und sein Torfgehöft

Die Häuser des Íslenski bærinn (isländisch für „Torfgehöft“) in Austur-Meðalholt im Süden Islands haben einen Sonderstatus, denn sie sind nicht wie fast alle noch existierenden Torfgebäude auf der Vulkaninsel ein Teil des Isländischen Nationalmuseums Þjóðminjasafn Íslands. Sie werden von ihrem Besitzer Hannes Lárusson erhalten und betreut, der auf dieser Farm aufwuchs. Der Künstler bietet Führungen durch sein kleines Reich an, bei denen man auch Einblicke in die Innenräume der acht Hauptgebäude aus Torf erhält. Während die Wände ganz dem Namen entsprechend aus Torf und Steinen sind, hat man im Inneren das Gefühl, in einem urigen Holzhaus zu stehen, denn Dach und Wände sind mit Holz verkleidet, sodass man gar nicht das Gefühl hat, von aufgetürmtem Erdreich umgeben zu sein. Obwohl es hier schon seit Jahrhunderten einen Torfhof gibt, sind die heutigen Gebäude leider nicht ganz so alt, denn verschiedene Erdbeben machten es in dieser Region immer wieder schwer, irgendetwas so lange zu erhalten. Das heutige Gehöft geht daher „nur“ auf das Jahr 1895 zurück und hat bereits mehrere dieser Erdbeben überstanden – das erste gleich im Jahr nach seiner Fertigstellung, das letzte 2008. Die Erde ist hier oft in Bewegung, nicht nur in Form der tektonischen Platten, sondern auch bei Restauration der alten und dem Bau von neuen Torfhäusern.

Bauen mit Torf – Vergangenheit und Zukunft

Nachdem 1965 die letzten Bewohner Austur-Meðalholt verlassen hatten, sah es fast so aus, als würde das Gehöft einsam vor sich hin zerfallen, bis 1985 beschlossen wurde, es wiederherzustellen. Experten halfen, Bautechnik, Materialien und Form möglichst originalgetreu nachzubilden. Aber dieser kleine Exkurs in die Vergangenheit weckte auch das Interesse am Bau mit Torf für die Gegenwart und Zukunft. Mehr und mehr Menschen interessierten sich dafür, zu lernen, wie sie selbst ihren eigenen kleinen Torfhof bauen könnten, und Hannes war gern bereit, es ihnen zu zeigen. Heute finden regelmäßig Kurse von der isländischen Kunstakademie und der Universität Islands im Íslenski bærinn statt, wo man direkt erleben kann, was man über das Bauen mit Torf und Nachhaltigkeit lernt – und wie könnte man sich naturverbundener fühlen als in einem dieser Häuser, umgeben von Holz und Torf und lebendiger isländischer Geschichte? Doch nicht nur die Gebäude selbst sind einen Besuch wert, denn das Gehöft hat noch mehr zu bieten. In einer Ausstellungshalle können Fotos, Kunstwerke und viel Wissenswertes zur Architektur bewundert werden und für Besuchergruppen wird als besonderes Highlight auch eine Mahlzeit aus Probierhappen verschiedenster isländischer Traditionsgerichte angeboten, die in den Küchen der Torfgehöfte zubereitet wurden … ein Erlebnis für alle Sinne also.

Wart ihr schon einmal zu Gast auf einem der isländischen Torfgehöfte und wie stellt ihr euch das Leben dort vor? Hinterlasst uns gern einen Kommentar, wir freuen uns auf eure Ideen und Anmerkungen.

Sjáumst, euer contrastravel-Team

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