27.10.2021

Magie und Hexenverfolgung in Island

Flóki
Isländischer Whiskey mit Zauberrune im Logo

Magie ist in den Isländersagas und auch lokalen Erzählungen auf der Vulkaninsel ein wiederkehrendes Thema und spezielle magische Runen und verschiedene Requisiten, die man zum Aktivieren der Zauber benötigt, finden immer wieder Erwähnung. Heute geben wir euch einen kleinen Überblick über die Geschichte der Zauberei in Island …

Góðan daginn liebe Nordland-Freunde,

Heute soll es um Magie gehen – aber nicht wie bei Harry Potter mit Sprüchen und Zauberstäben, sondern vor allem mithilfe von magischen Runen und komplizierten Symbolen, aktiviert durch alte Rituale , wobei von der Erweckung der Toten bis hin zum Milchdiebstahl vom Nachbarhof alles möglich ist. Erfahrt hier mehr …

 

Ein Blick in die Geschichte

Im düsteren Geschichtskapitel der Hexenverbrennungen wurden in Europa vom 15. bis ins 18. Jahrhundert Tausende Menschen der Hexerei beschuldigt und verbrannt. Auch auf Island gab es im siebzehnten Jahrhundert zahlreiche Opfer dieser Verfolgung, doch interessanterweise waren unter den ungefähr 200 der Zauberei beschuldigten Isländern nur sehr wenige Frauen. Insgesamt wurden 19 Männer und eine Frau auf Island im Anschluss an diese Prozesse verbrannt. Vor der Christianisierung war die Anwendung von Zauberritualen wahrscheinlich relativ häufig und je nach Intention nicht unbedingt eine Untat. In den Isländersagas finden sich viele Beispiele von magiekundigen Charakteren, die den Verlauf der Geschichte zu ihren Gunsten beeinflussen wollen. Besonders männliche Zauberkundige sind dabei oft negativ behaftet, da das Praktizieren der seiðr-Magie schon in der Mythologie den Frauen vorbehalten und für Männer ein Tabu ist. Paradox, gilt Óðinn doch als ein Meister dieses Zaubers, der große Macht verleiht. Frauen hingegen werden als Seherinnen und Magienutzer sowohl positiv als auch negativ dargestellt – und wer würde nicht gern wie eine Völva (Seherin) die Zukunft kennen?

Auf Island wird die Geschichte der Magie und ihrer mehr oder weniger realen Nutzer im Museum of Witchcraft and Sorcery  in Hólmavík gezeigt. Hier kann man viele magische Artefakte und Erklärungen zu verschiedensten Ritualen bewundern, so wie das skurrile Herzstück der Ausstellung, die Nábrók (Leichenhose), bestehend aus der getrockneten Haut des Unterkörpers eines Mannes. Nach dem Erwerb einer solchen Hauthose durch ein kompliziertes Verfahren sollte sie dem Träger einen nicht enden wollenden Vorrat an Silbermünzen bescheren. Ob es das allerdings wert war, muss jeder selbst entscheiden …

Moderne Nutzung magischer Runenzeichen

Heute gibt es wieder ein reges Interesse an Aufzeichnungen zu alten Zaubertechniken, die in Island lange Zeit angewandt wurden, wobei diese größtenteils nicht mehr ernsthaft zur Ausübung von Magie verwendet werden. Stattdessen erfreuen sich vor allem Schutz- und Glückssymbole großer Beliebtheit als Tattoo-Motive und Logos,  wobei einige davon besonders mit Reisen nach Island in Verbindung gebracht werden. Das beste Beispiel hierfür ist das Vegvísir-Zeichen, auch „Wikingerkompass“ genannt, das seinen Träger davor bewahren soll, sich zu verirren, und ihn oder sie auf Reisen immer wieder sicher nach Hause führt. Zusätzlich zu dieser positiven und sympathischen Bedeutung wurde der Hype um das Zeichen von der Sängerin Björk angefacht, die es sich als Tattoo stechen ließ. Fans von exotischen Whiskey-Sorten kennen es vielleicht ebenfalls von den Flaschen der isländischen Marke Flóki, wo ein Vegvísir auf dem Etikett prangt – wobei es hier vielleicht eher um die sichere Heimreise nach ausgiebigem Alkoholgenuss geht … Auch das Logo der Band Sólstafir nutzt eine magische Rune, den Hulinhjálmur, der den Träger nach Belieben unsichtbar machen soll. Weniger bekannte Zaubersymbole könnten sich aber auch im Alltag als nützlich erweisen, so gibt es beispielsweise Zeichen, die das Lesen im Dunkeln ermöglichen, den Gewinn beim Schachspielen garantieren – wobei natürlich ohne das korrekt ausgeführte dazugehörige Ritual keine Garantie besteht – und sogar permanenten Schutz gegen jegliche andere Magie gewähren. Eine umfassende Sammlung isländischer Zauber und magischer Runen findet sich beispielsweise im Sorcerer’s Screed der Icelandic Magic Company, wo die Aufzeichnungen des Isländers Jochum Magnús Eggertsson, der sich selbst auch Skuggi („Schatten“) nannte, internationalen Lesern auf Englisch nahegebracht werden. Auch im Museum of Witchcraft and Sorcery kann man Informationen über verschiedene alte Zauberbücher der Insel finden. Der perfekte Ort also, wenn ihr nach Inspiration für ein einzigartiges Tattoo sucht oder eure Karriere als Amateurzauberer mit einem guten Überblick über bekannte Zauberrunen beginnen wollt …

Habt ihr schon einmal das Zaubereimuseum besucht oder weitere Anmerkungen? Dann hinterlasst uns doch einfach einen Kommentar.

Verið blessuð liebe Nordland-Freunde, Euer contrastravel-Team

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