Reykjanesviti - Reykjanes

Warum gibt es Erdbeben auf Island?

Laki-Krater - Süd-Island
durch Vulkanausbrüche entstandene Krater

Seit ein paar Tagen hat eine hohe Anzahl an Erdbeben die Halbinsel Reykjanes auf Island erschüttert. Die Gegend rund um Grindavik und auch rund um den im März 2021 ausgebrochenen Vulkan Fagradalsfjall bebte mal wieder. Seit heut nachmittag ist klar: ein neuer Vulkanausbruch findet auf Reykjanes statt. Wir erklären warum Erdbeben in Island nicht so ungewöhnlich sind und warum gerade jetzt so viele davon auftreten. Außerdem erfahrt ihr, was ihr tun könnt, wenn ihr ein Erdbeben in Island (und anderswo) erlebt …

Liebe Island-Reisende,

euer Reiseziel ist ein ganz besonderes Land. Nicht nur weil Island mit unglaublich schönen Landschaften aufwartet, sondern auch, weil sich die Insel an einer ganz besonderen Stelle auf diesem Planeten befindet. Diese Stelle ist der Grund für die aktuellen und generell andauernden Erdbebenschwärme. 

Mittelatlantische Rücken / Mid Atlantic Ridge (MAR)

Wir kennen es, diese Spiele: magst du lieber Meer oder Berge. Wenn wir das Wort „Berge“ hören haben wir so etwas wie die Alpen oder den Mount Everest im Kopf. Doch dass sich auch im Meer Berge befinden, vergessen die meisten. Im Prinzip befindet sich der höchste Berg unserer Erde auch nicht im Himalaya (Mount Everest mit 8.848 m ab dem Meeresspiegel gemessen), sondern auf Hawaii. Die Vulkane Mauna Loa und Mauna Kea messen vom Meeresboden aus mehr als 10.000 m, ab dem Meeresspiegel etwa 4.000 m. Der Unterschied ist, dass die Vulkane direkt aus der Erdkruste entstanden sind, der Mount Everest hat sich durch Massenverschiebung zu dieser Höhe aufgetürmt. 

Unterhalb des Meeresspiegels gibt es Gebirgsketten. Eine dieser Gebirgsketten ist der Mittelatlantische Rücken (Mid Atlantic Ridge, kurz MAR genannt), der sich im Atlantik über rund 20.000 km ausstreckt und damit die längste Bergkette des sogenannten Mittelozeanischen Rückens, eines über 60.000 km langen erdumspannenden Gebirgssystems unterhalb des Meeresspiegels ist. Island selbst liegt auf dem Reykjanesrücken genannten, nordöstlichen Teil des Mittelatlantischen Rückens und übersteigt als einziger größerer Teil dieses Meeresrückens den Meeresspiegel.

Der Gipfel bzw. Kamm des Mittelatlantischen Rückens liegt etwa 1.500 bis 3.000 Meter unter der Wasseroberfläche. Von Nord nach Süd erstreckt sich ein tiefer Zentralgraben über dieses Unterwassergebirge. Dieser Graben wurde erst 1952 von einem Team um Bruce Heezen und Marie Tharp entdeckt und hat eine Breite von 25 bis 50 Kilometern.

Wie entstehen Erdbeben auf Island?

Island liegt sowohl auf dem Mittelatlantischen Rücken als auch über der nordamerikanischen und eurasischen Erdplatte. Das Unterwassergebirge ist tektonisch aktiv, denn es bewegen sich durch die Plattentektonik der nordamerikanischen und die eurasischen Platte pro Jahr etwa 2,5 cm voneinander weg. Immer dann wenn sich Platten voneinander weg bewegen, entsteht durch vulkanische Aktivität neuer Boden.

Die meisten Erdbeben in Island entstehen also nicht dadurch, dass sich die Erdplatten an sich bewegen, sondern weil sich durch vulkanische Aktivität neue Landmasse entsteht. In anderen Gebieten auf der Erde entstehen schwere zerstörerische Erdbeben weil sich die Erdplatten aufeinander zu bewegen. Die meisten Erdbeben auf Island bleiben für den menschlichen Körper unbemerkt. Die Seismographen im Land nehmen diese aber auf jeden Fall wahr. Vor allem im Südwestlichen Teil der Insel und im Norden kommt es dabei zu mehr als 2 Dutzend Erdbeben pro Tag. 

Sie entstehen, weil sich durch die Verschiebung der Platten (voneinander weg) Magma vom Erdkern durch die Erdmasse bewegt und dabei Gestein und Erdmasse bewegt. Je weiter Richtung Erdoberfläche sich diese Magma ihren Weg bahnt, umso größer und stärker werden die Erdbeben. Viele der Beben passieren unter der Meeresoberfläche, auf Island wird die Aktivität quasi lebendig und sichtbar. 

Aktuell gab es vor allem rund um das letztjährige Ausbruchgebiet am Vulkan Fagradalsfjall vermehrt starke Erdbeben bis zu einer Stärke von 5,4 auf der Richter-Skala. Messgeräte fanden heraus, dass sich die Erde rund um dieses Gebiet um mehrere Zentimeter gehoben hat, was ein Indiz dafür ist, dass Magma auf dem Weg nach oben ist. Die Magma-Bewegung bzw. Erdstöße bewegten sich zunächst bis 1.100 m unter der Erdoberfläche. In der Nacht zum 3. August waren Moosfeuer in der Livecam zu sehen, für die es erst keine Erklärung gab. Seit Nachmittag des heutigen Tages ist klar: es gibt einen neuen Vulkanausbruch im Meradal und am Fagradalsfjall. 

Gleichzeitig hat es unterhalb des Gletschervulkans Grimsvötn ebenfalls ein Erdbeben mit der Stärke 3,7 auf der Richter-Skala gegeben. Erdbeben kommen an dieser Stelle eigentlich recht ungewöhnlich, es sei denn Magma bahnt sich ihren Weg. Deshalb wurde der Vulkan Grimsvötn, der zu dem aktivsten der Insel zählt, auf die Warnstufe gelb gesetzt. Ob es einen Ausbruch gibt, wird abzuwarten sein. 

Was kann ich tun bei einem Erdbeben?

Zu allererst: Island ist eine Vulkaninsel, eine der größten der Erde. Durch seine Lage auf dem Mittelatlantischen Rücken und zwischen den Erdplatten, sind Erdbeben und Vulkanaktivitäten keine Seltenheit. Die Bevölkerung hat gelernt in dieser Umgebung, mit der Gefahr zu leben. Erdbeben finden meist eher punktuell statt, sind selten auf der ganzen Insel spürbar und übersteigen selten eine Stärke von 6 auf der Richterskala. Auch kommen selten Menschen zu Schaden, die größte Gefahr geht von hinabstürzenden Gegenständen oder Felsen und Steinen aus. Deshalb hier ein paar Tipps, wenn es bei eurem Urlaub doch mal wackelt (ohne bestimmte Reihenfolge).

Ihr befindet euch im Haus:
• Ruhe bewahren
• Schuhe anziehen (wg. Glassplitter für danach)
• Duckt euch in einen Türrahmen, schützt euren Kopf mit einem Arm, haltet euch mit dem anderen am Türrahmen fest
oder duckt euch in eine Ecke mit tragenden Wänden, schützt euren Kopf mit einem Arm, haltet euch am Boden fest, wenn möglich
oder duckt euch unter einen Tisch, schützt euren Kopf mit einem Arm, haltet euch an einem Tischbein fest
• Ruhe bewahren auch im Nachhinein, schauen ob ihr das Haus verlassen müsst und könnt falls dieses zu stark beschädigt ist. 
• Außerhalb Schutz suchen (in einem auf einem offenen Platz stehenden Fahrzeug, hier könnt ihr auch ggf. das Radio anstellen). 

Ihr befindet euch draußen:
• Ruhe bewahren.
• Sorgt dafür nicht in der Nähe von Gebäuden/ Gegenständen zu stehen, die höher als ihr sind, sucht euch einen offenen Platz
• Wenn ihr keinen solchen Platz findet, ducken und Kopf schützen
• Vermeided Steinschläge und Erdrutsche
• Falls ihr gerade mit dem Auto fahrt, haltet an einem sicheren Ort an
• Hört Radio für weitere Infos

Tipps auf englisch findet ihr auch nochmal hier:

Außerdem ist es schlau, der Seite safetravel.is zu folgen, die eigene Handynummer dort für Alerts zu hinterlegen und bei längeren Wanderungen den Reiseplan und Kontaktdaten zu hinterlegen, um im Fall des Falles besser geortet zu werden. 

Seid ihr die nächsten Wochen in Island unterwegs? Habt ihr Fragen zum aktuellen Geschehen? Wir beantworten euch diese gerne! 

Wenn ihr diesen Sommer keine Zeit mehr habt, nach Island zu reisen, schaut gern bei unseren Winterreisen nach Island vorbei. Es erwarten euch Nordlichter, Ruhe und Schneestille und vielleicht ja auch einer der beliebten Touristenvulkane.

Safe travels, goda ferd!
euer contrastravel-Team

Kontakt

04322 88 900-0 [email protected]