Island und der Fußball

Flagge - Island

Dass Island momentan boomt, haben wir vermutlich nicht nur den relativ günstigen Flugpreisen und der vermehrten Werbung außerhalb des Landes zu verdanken, sondern ist auch Ergebnis des letztjährigen großen Islandhypes, ausgelöst durch die Teilnahme an der Fußball Europameisterschaft der Männer. Nun haben sich die sympathischen Jungs für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland qualifiziert. 

Góðan daginn liebe Nordland-Freunde, 

im Sommer letztes Jahr war es dem Nationalteam Islands gelungen, bis ins Viertelfinale der Europameisterschaft zu kommen. Durch ihr faires Spiel und das sympathische Anfeuern Ihrer Fans durch die spezielle Choreographie und den „Húh“-Ruf wurden sie schnell zu den Favoriten vieler Fußballfans in ganz Europa. Natürlich drückte auch fast ganz Island seinem Team alle Daumen, feierte jeden Sieg und empfing sie nach ihrer Niederlage gegen Frankreich zahlreich und lautstark in Reykjavík.

Dabei gilt Island nicht als Fußballnation per se außerhalb des Landes. Zwar fand 1997 die EM der U-18 in Island statt, aber sie selber schafften es erst 2009 durch die Frauen und erstmals 2016 durch die Männer in die Europameisterschaft. Die Isländer fielen eher durch ihre erfolgreichen Handballspieler auf. 

Im Land selbst gibt es seit jeher Fußballvereine in vielen Regionen Islands, in denen rund 20.000 FußballerInnen spielen. Allein die Witterungsverhältnisse machen das Training schwierig. Deshalb wird vermehrt an der Fußballhallensituation gearbeitet, damit auch in den Monaten mit schlechterem und kaltem Wetter die Nachwuchsfußballer auf Zack gebracht werden können. 

Geschichte des Männerfußballs

Der älteste Fußballverein Islands – KR Reykjavík - wurde 1899 gegründet. Die erste isländische Fußballmeisterschaft Urvalsdeild wurde 1912 ausgetragen und bis 1930 gründeten sich insgesamt vier große Fußballvereine. Auch zu dieser Zeit wurde vermehrt im europäischen Ausland gespielt oder Spiele nach Island geholt. Während sich isländischer Fußball bis 2010 allerdings noch außerhalb der FIFA Weltrangliste befand, steigen sie seitdem stetig und befinden sich momentan auf Platz 22. Dies ist nicht zuletzt der EM- und WM-Qualifikation von 2016 und von 2017 zu verdanken. 

Geschichte des Frauenfußballs

Frauen war es in Island bis 1914 verboten Fußball zu spielen. In Ísafjörður wurde in jenem Jahr der erste Frauenfußballverein Hvöt gegründed, der sich damit gegen dieses Verbot stellte und bereits ein Jahr später etablierte der Fußballverein Víkingur aus Reykjavík sein eigenes Frauenteam. Dennoch wurde es den Frauen von ihren männlichen Sportskollegen noch lange nicht leicht gemacht. 

Als in den 60ern Fußball als Aufwärmstrategie und Trainingsroutine in die Handballteams Islands einzog, wurde der Sport auch unter den Frauen wieder populärer, sodass 1970 das erste Match im Frauenfußball als Anheizer für ein internationales Spiel der isländischen Männerfußballgruppe in der Laugardalshóll stattfand. 

Zwei Jahre später wurde das erste eigene Frauenfußballturnier abgehalten, in dem jeweils zwei Mannschaften aus den vier Clubs gegeneinander antraten und Hafnarfjörðurs FH als Sieger hervorging. In den darauffolgenden Jahren hatten immer mehr Vereine in Island auch Frauenfußballgruppen. Obwohl es allerdings nicht an der Nachfrage mangelte und die Teams sehr erfolgreich waren, wurden diese Gruppen häufig wieder aufgelöst, sodass es in den 80er Jahren nur drei Clubs gab. 1981 entschied sich dann die Icelandic Soccer Association dafür, ein Frauen Nationalteam aufzustellen. Diese verloren bei ihrer ersten Qualifizierung zur Europameisterschaft 1982 nur knapp und wurden deshalb nicht mehr für eine EM-Qualifizierung aufgestellt. 2008 schafften sie es dann als erste isländische Fußballnationalmannschaft für die EM 2009 in Finnland, sieben Jahre vor der ersten Qualifizierung der Männer. Qualifiziert waren die isländischen Frauenfußballerinnen seitdem noch zweimal, für die EM 2013 und 2017. 

Húh!

Kaum jemand ist seit 2016 an diesem isländischen Schlachtruf vorbeigekommen, der von dem Fanverband Tolfan ausgedacht wurde, kurz nachdem Lars Lagerbäck 2011 die isländische Nationalelf als Trainer übernommen hatte. Erstmals rückte der Ruf in den Fokus der Öffentlichkeit als die isländischen Spieler ihre Fans bei der EM 2016 damit anfeuerten. Das rhythmische Zusammenschlagen der Hände über dem Kopf und der laute „Húh!“-Ruf lässt seither nicht nur die isländischen Stadien erzittern. Rund 30.000 Fans begrüßten ihr Team genauso, als letztjährig diese - von Kamerateams begleitet - nach der Niederlage gegen Frankreich wieder zurück nach Hause kamen und in Reykjavik eintrafen.

Nicht minder euphorisch muss es sich letzten Montag zugetragen haben, als das isländische Team im WM-Qualifikationsspiel gegen den Kosovo mit zwei Toren gewonnen hat. Im ausverkauften Stadion wurde Feuerwerk gezündet, mindestens ganz Reykjavik lag sich beim Oldie „Ég er kominn heim“ in den Armen. Hoffentlich hatte Yoko Ono das Nachsehen, die wie jedes Jahr am 09. Oktober, am Geburtstag von John Lennon, den Peace Tower auf der Insel Viðey erleuchten lässt. Dies Jahr trafen sich die Reykjaviker eher im Stadion als am Peace Tower aber feierten danach dennoch völlig friedlich in den Straßen der Hauptstadt im Nordmeer.

Habt ihr Fragen oder möchtet mit uns nach Island reisen? Dann kontaktiert uns doch einfach. Wir freuen uns auf eure Ideen und Anregungen.

Skemmtið ykkur vel, liebe Nordland-Freunde, Euer contrastravel-Team

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